- ist keine Krankheit, sondern ein notwendiger Reflex (=Schutzmechanismus), um die Lunge von Schleim und Fremdkörpern zu befreien und sollte deshalb nicht unterdrückt werden.
- ist ein häufiges Symptom bei Erkältungskrankheiten und einer der häufigsten Gründe für eine kinderärztliche Vorstellung.
- wird häufig durch virale Infekte ausgelöst, kann aber auch in seltenen Fällen durch Bakterien (Pneumokokken, Streptokokken, Keuchhusten, Mykoplasmen) bedingt oder ein Hinweis auf ein Asthma bronchiale, eine Reizung durch Luftschadstoffe oder eine Fremdkörperaspiration („Verschlucken“) sein.
- kann durch Hausmittel gelindert werden. Die Wirksamkeit von Hustensäften konnte in wissenschaftlichen Studien bisher nicht belegt werden.
- kann durch ätherische Öle verschlimmert werden und zum akuten Erstickungsanfall führen.
Welche Arten von Husten gibt es?
Trockener Husten (unproduktiv, Reizhusten)
Meist zu Beginn von Erkältungskrankheiten, bei Asthma bronchiale oder Fremdkörper in den Atemwegen. Es erfolgt kein feuchter Auswurf.
Feuchter Husten (produktiv)
In späteren Stadien einer Erkältungskrankheit, bei Bronchitis oder Lungenentzündung. Es erfolgt das Abhusten von Schleim.
Akuter Husten: Dauer < 4 Wochen
Chonischer Husten: Dauer > 4 Wochen
Was sind Gründe für das Husten und wie lange dauert er an?
In den meisten Fällen (> 90%) steckt ein grippaler Infekt durch Viren der oberen und mittleren Atemwege dahinter. Häufig begleitet von Fieber und Schnupfen. Zu Beginn des Infekts ist der Husten meist trocken und wird im Verlauf produktiv. Nach Abklingen der Symptome nach 7 (-14) Tagen kann es erneut zu einem trockenen Reizhusten kommen, der weitere 5-6 Wochen anhalten kann. Es gibt über 200 Viren, die eine Erkältung verursachen können, auch eine Re-infektion mit demselben Erreger ist möglich. Gelegentlich kann es zusätzlich zu einer bakteriellen, sogenannten Superinfektion kommen, welche eine antibiotische Therapie notwendig macht.
Tritt Husten plötzlich und unvermittelt auf, muss an das „Verschlucken“ eines Fremdkörpers gedacht und umgehend ein Kinderarzt aufgesucht oder ein Notarzt alarmiert werden (siehe unten).
Dauert der Husten länger als 4 Wochen spricht man von einem chronischen Husten. Dieser muss vom Kinderarzt/der Kinderärztin abgeklärt werden. Er/Sie entscheidet und bespricht, welche weiteren diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen notwendig sind. Hierbei kann es sich um ein Asthma bronchiale oder eine chronische Entzündung der Bronchien, Nasennebenhöhlen oder der Lunge handeln. Auch ein unbemerkt aspirierter (verschluckter) Fremdkörper oder ständiges Einatmen von Luftschadstoffen, wie Zigarettenrauch oder Schimmelsporen können die Ursache sein.
Kleinkinder können und dürfen pro Jahr 8-12 Atemwegsinfektionen durchmachen. Da sich diese häufig auf die kalte Jahreszeit konzentrieren und oft ein Infekt in den nächsten übergeht, kann auch ein eher harmloser Reizhusten nervenzehrend für Eltern und Kind werden.
Was kann ich unterstützend tun?
Grundsätzlich gilt: Husten ist ein Schutzmechanismus, weshalb wir ihn nicht unterdrücken wollen.
Basics/Hausmittel:
- Körperkontakt/kuscheln
- viel trinken/stillen, die Flüssigkeit hilft den Schleim besser abhusten zu können
- vitaminreiche Kost
- heiße Zitrone (Zitrone auspressen, mit 80°C heißem Wasser aufgießen, +1 Löffel Honig, abkühlen lassen)
- ab 1 Jahr: Zwiebelsaft mit Honig (eine (rote) Zwiebel aufschneiden und in einem Glas mit 2-3 EL Honig bedeckt im Kühlschrank ein paar Stunden ziehen lassen, vom entstandenen Saft alle 2-3 Stunden einen Löffel geben), alternativ Honig in den Tee oder Milch oder pur vom Löffel.
- ACHTUNG! Kein Honig für Babys unter einem Jahr, wegen der Gefahr des Botulismus, eine seltene, aber schwere Lebensmittelvergiftung durch das Bakterium Clostridium botulinum, welches zu einer Atemlähmung führen kann. In diesem Fall kann der Zwiebelsaft mit etwas Zucker angesetzt werden.
- Oberkörperhochlagerung (Kissen unter der Matratze)
Medikamente:
- Bei Schnupfen kann das Nasensekret in den Rachen laufen und so den Hustenreflex auslösen. Hier können Kochsalznasentropfen oder abschwellende Nasentropfen max 3x täglich und über maximal eine Woche für einen ruhigeren Schlaf sorgen.
- Schmerzmittel (Ibuprofen oder Paracetamol) bei Schmerzen/Unwohlsein
- Inhalationen mit bronchienerweiternden Medikamenten (zB. Salbutamol oder Ipratropiumbromid), bzw entzündungshemmenden Wirkstoffen (Cortison) können nach ärztlicher Rücksprache und Untersuchung bei einer Bronchitis eingesetzt werden.
Was hilft weniger?
- Antibiotika sind nur in seltenen Fällen bei einer bakteriellen Entzündung der Atemwege notwendig und hilfreich. Bei einem trockenen Husten durch Viren sind sie nicht indiziert.
- Hustensäfte sind Hausmitteln NICHT überlegen. Sie sind teuer und helfen laut Studienlage bei Kindern mit unspezifischem Reizhusten wenig bis gar nicht. Es gibt verschiedene Arten:
- Hustenlöser (Expektorantien), zB. Ambroxol, ACC, Bromhexin
Sie Sollen den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Dadurch können sie zu vermehrtem Husten führen. Eine Wirksamkeit konnte in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen werden. - Pflanzliche Hustensäfte (Efeu, Thymian, Spitzwegerich)
Sie enthalten meistens Alkohol! In wissenschaftlichen Studien konnte auch für diese Säfte keine bzw. nur schwache Evidenz, das heißt Wirksamkeit nachgewiesen werden. - Homöopathische Hustensäfte enthalten keinerlei wirksame Arzneistoffe, die über den Placeboeffekt hinaus wirken.
- Hustenstiller (Antitussiva) zB. Noscapin, Pentoxyverin
Sie wirken zentral im Gehirn durch Unterdrückung des Hustenreflexes. Sie sollen nur in absoluten Ausnahmefällen und nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden. Bei produktivem Husten sind sie kontraindiziert (verboten)! Der Schleim muss raus!
- Hustenlöser (Expektorantien), zB. Ambroxol, ACC, Bromhexin
- ACHTUNG! Keine ätherischen Öle! (extern als Balsam/Salbe oder auch intern als Tropfen). Diese Reizen die Schleimhäute zusätzlich und können im Extremfall zu starken Atembeschwerden führen!
- Luftanfeuchtungen haben keinen nachgewiesenen Effekt. Es besteht die Gefahr der Schimmelbildung in geschlossenen Räumen.
Wann muss ich zum Arzt?
- akute Luftnot
- Säuglinge und Kleinkinder mit Fieber >38,5°C
- angestrengte Atmung (Nasenflügeln, Einziehungen am Brustkorb, sodass die
- Rippen sichtbar werden oder schaukelnde Atmung über den Bauch)
- Nebengeräusche wie Blubbern, Knistern, Pfeifen
- beschleunigte Atmung/Kurzatmigkeit
- Atemaussetzer im Schlaf
- blaue Lippen
- Trinkschwäche, Abgeschlagenheit, Schläfrigkeit, schlechter Allgemeinzustand
- auffallend lange trockene Windeln
- Husten über 2 Wochen
- plötzlicher Hustenbeginn, der nicht gelindert werden kann (Fremdkörper!)
Was kann ich vorbeugend tun?
- Für ein gesundes Abwehrsystem sind folgende Punkte wichtig
- ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- viel Bewegung und Zeit an der frischen Luft verbringen
- ausreichend Schlaf
- auf einen vollständigen Impfstatus achten, insbesondere Pneumokokken, Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae, auch der engen Bezugspersonen
- Abstand zu Neugeborenen und kleinen Säuglingen halten bei bestehendem Atemwegsinfekt
- Kleinteiliges Spielzeug, sowie Nüsse/Gummibärchen/Bonbons nicht für Kinder unter 5 Jahren!
- Kinder sollten grundsätzlich NIE direktem Zigarettenrauch (auch E-Zigaretten!) ausgesetzt sein. Es wird nicht in Gegenwart der Kinder geraucht, niemals in der Wohnung oder im Auto. Nach dem Rauchen Hände waschen und Kleider wechseln. Nikotin setzt sich in Wänden, Möbeln, Haaren und Haut fest.
Sonderfall: Pseudokrupp-Anfall
Meist in der 2. Nachthälfte mit bellendem Husten und Einatemgeräusch („wie ein Seehund“)
Erstmaßnahmen:
- aufrechtes Hinsetzen und beruhigen
- kalte, feuchte Luftanfeuchtungen, wenn vorhanden Kortison als Zäpfchen oder Saft
- Notarztalarmierung bei akuter Luftnot, ausbleibender Besserung nach 10-15 min, zusätzlichem Atemgeräusch oder leiser werdendem Atemgeräusch
Notfall: Fremdkörperaspiration
Ältere Säuglinge und Kleinkinder erkunden gerne Gegenstände mit dem Mund. Das ist normal. Allerdings ist hierdurch die Gefahr des Verschluckens bzw. Einatmens erhöht. In der Regel werden Fremdkörper sofort wieder ausgehustet. Gelingt dies nicht, ist sofort die 112 zu wählen und den Anweisungen der Leitstelle zu folgen.
Effektiv hustende Kinder weiter ermutigen, dabei bleiben, kein Klopfen auf den Rücken.
