Bauchschmerzen oder Regulationsstörung?
Es ist vollkommen normal, dass gesunde, junge Säuglinge häufiger und länger schreien. Schreien und Weinen sind die ersten Formen der kindlichen Kommunikation. Hierüber können sie folgendes zum Ausdruck bringen:
- Hunger
- zu hohe oder niedrige Temperatur
- Überreizung
- Nähebedürfnis
- Müdigkeit
- Unwohlsein durch nasse Windel
Häufig werden Bauchschmerzen vermutet, da die Kinder beim Weinen die Beine anziehen und der Bauch härter wird. Dies sind normale Verhaltensmuster, das Anspannen der Bauchmuskeln erfolgt automatisch beim Schreien.
Somatische, d.h. körperliche Ursachen für Schreien:
- Dyschezie (Bauchschmerzen während des normalen Stuhlgangs ohne Verstopfungszeichen oder Krankheitszeichen, harmlos im Rahmen der Darmreifung)
- Schmerzen
- Kuhmilcheiweißunverträglichkeit
- Luftschlucken
- Infektion
- Reflux
Vermuten Sie einen dieser Gründe, sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin.
Das Weinen/Schreien wird nicht durch Fehler im Umgang mit Ihrem Baby hervorgerufen. Es ist Teil eines normalen Entwicklungsprozesses, der meist im Alter von 3 – 4 Monaten eine deutliche Besserung zeigt.
In den ersten Lebensmonaten können sich Babys noch nicht selbstständig beruhigen. Sie benötigen eine Bindungsperson, die sie bei der Entwicklung dieser Fähigkeit unterstützt. Dies nennt man Co-Regulation. Sind Sie gestresst, überträgt sich dieses Gefühl auf Ihr Baby. Sind Sie ruhig, wird sich auch ihr Kind allmählich beruhigen.
Babys können in den ersten Lebensmonaten NICHT verwöhnt werden. Sie sind auf die Nähe und Hilfe ihrer Bezugspersonen angewiesen. Lassen Sie Ihr Kind nicht alleine. Babys werden nicht alleine Schreien gelassen.
Ein Baby wird NIEMALS geschüttelt! Dies kann zu schweren Hirnschäden oder dem Tod des Babys führen.
Sollte Sie das Schreien überfordern oder Sie spüren, dass Sie gleich Ihr Kind schütteln könnten, legen Sie es an einen sicheren Platz und atmen tief durch. Bitten Sie eine weitere Person für Sie zu übernehmen. Geben Sie bitte dringend Ihrem Kinderarzt Bescheid. Dieser kann für entsprechende Hilfe sorgen.
Was kann helfen?
- Routinen und feste Strukturen inklusive einem etabliertem Tages- und
- Nachtrhythmus
- reizarme Umgebung (kein Radio oder Fernsehen oder Handy)
- Körperkontakt (Tragen/Schmusen)
- Bewegung (Schaukeln/Wiegen)
- Ortswechsel (Spaziergang, Autofahrt)
- Baden, Massage, Schnuller
Es ist wichtig jeder Maßnahme ausreichend Zeit geben zu wirken. Ein zu häufiges Wechseln vom Schaukelstuhl auf den Pezziball, zur Massage und wieder zurück sind überfordernd.
- stillende Mütter sollten auf Kaffee, Cola, schwarzen/grünen Tee verzichten
- stillende Mütter dürfen alles essen (Muttermilch ist ein Filtrationsprodukt des Blutes, blähende Nahrungsbestandteile gehen NICHT in dieses über)
- Selbstfürsorge (ausreichend Schlaf, regelmäßige ausgewogene Ernährung, Bewegung, Hobbies)
- Aufgaben im Alltag aufteilen, Hilfe organisieren (Freunde/Familie/Organisationen, z.B. über eine Familienhebamme, Elternhafen.de, Beratungsstellen)
- nicht jedes Schreien ist gleichzusetzen mit Hunger. Achten Sie frühzeitig auf Hungerzeichen bevor es zum Schreien kommt, andererseits sollte nicht gleich bei jedem Schreien gestillt/gefüttert werden. Insbesondere wenn die letzte Mahlzeit nicht mehr als 2 Stunden her ist. Es kann sonst zu Bauchschmerzen durch einen überfüllten Magen kommen.
- Formulanahrung sollte nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt/der Kinderärztin geändert werden
- kein Pucken des Säuglings
Wann muss ich sofort zu einem Kinderarzt/ in die Kinderklinik?
- Verändertes Schreien (deutlich schmerzbedingt oder schrill)
- Schreien >3h
- Fieber über 38,0° oder eine gespannte Fontanelle
- Angst Ihrem Kind etwas anzutun
- Wenn Sie Ihr Kind geschüttelt haben
Wann muss ich einen Termin in der Sprechstunde ausmachen?
- Anhaltendes Schreien mehr als 3x tgl.
- noch keine Besserung nach 3 Monaten
- bei Durchfall/Erbrechen oder Verstopfung
- fehlende Gewichtszunahme
- das Schreien laugt Sie aus
- andere Fragen oder Sorgen
Vermuten Sie eine Blockade der Wirbelsäule, sprechen Sie Ihren Kinderarzt/Ihre Kinderärztin an. Er oder sie wird Ihr Kind untersuchen und Sie gegebenenfalls an einen Kinderorthopäden mit Ausbildung in der Manualtherapie weiterleiten. Andere Personen ohne spezielle medizinische Ausbildung sollten NICHT an der Halswirbelsäule Ihres Kindes manipulieren!
